Bitcoin fast 2.000 Euro, Ethereum 165 Euro – die Kryptopreise schießen nach oben

Die Kryptomärkte sind in Gipfelstürmer-Stimmung. Überall erreichen die Preise neue Allzeithochs, und ein Ende des Anstiegs scheint derzeit noch nicht in Sicht zu sein. Was passiert hier – und, vor allem: warum passiert es? Hat es etwas mit dem neuen Blocksize-Kompromiss zu tun?

Was für ein Montag-Morgen. Anfang des Jahres habe ich mich noch darüber gefreut, dass Bitcoin die 1.000 Dollar Marke durchbrochen hat, vor kurzem habe ich gewitzelt, dass wir bald im Lutherjahr wären, wenn der Bitcoin-Preis eine Jahreszahl wäre, und nun, Mitte-Ende Mai, stehen wir bei fast 2.000 Euro. Irre. Wenn Bitcoin einmal Fahrt aufnimmt, kommt es fast immer mächtiger, als man erwartet hätte.

Bitcoin-Preis, 1-Jahres-Chart, Quelle: Bitcoin.de

Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem, was mit Ethereum passiert: Nachdem Ripple Ethereum vor kurzem als zweitwertvollste Kryptowährung abgelöst hat, hat Ethereum nun wieder aufgeholt, überholt und Ripple weit in den Schatten gestellt. Der Preis eines einzigen Ether ist von knapp 100 Dollar auf 130, 150, 180 Dollar gestiegen und steht derzeit bei 165 Euro.

Ether-Dollar, 1-Jahres-Chart, Quelle: Trading-View

Hallo Millionäre!

Ich frage mich, wieviele Millionäre diesen Artikel lesen. Heute vor einem Jahr hat ein Bitcoin 442 Dollar gekostet. Wer zu diesem Zeitpunkt 200.000 Euro in Bitcoins hatte und gehalten hat, sollte nun Millionär sein. Ein Ether war vor einem Jahr 14 Dollar wert. Wer zu diesem Zeitpunkt 70.000 Euro in Ether hatte, ist nun ebenfalls Millionär. Es gibt derzeit im Krypto-Universum eine Menge frischgebackener Millionäre und Multimillionäre.

Was passiert? Oder, besser gesagt: Warum passiert die Sache mit den verrückten Kursen? Warum gerade? Und sind wir schon mitten in der Blase drin – oder baut sie sich erst auf?

Warum?

Beginnen wir mit dem “Warum” und mit Bitcoin. Ein Grund für den Kursanstieg ist vielleicht, dass sich Industrievertreter von Bitcoin auf der großen Branchenmesse Consensus2017 in New York getroffen und ein neues Scaling-Abkommen ausgemacht haben. Einem Leak zufolge, der von diversen anonymen Quellen als vermutlich authentisch bezeichnet wurde, wollen die Bosse großer Unternehmen SegWit+2MB bis September durchziehen. Das könnte DAS Signal sein, auf das die Märkte gewartet haben. Hier später mehr, sobald es offiziell ist.

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Andererseits … der Bitcoin-Kurs steigt seit Ende 2016, und egal welche Wendung die Blocksize-Krise seitdem genommen hat, er hat damit einfach nur weitergemacht. Die wahrscheinlichste Erklärung wäre, dass die Märkte sich gar nicht so arg für das Thema Skalierung interessieren. Die entscheidenden Faktoren sind vielmehr: Wir hatten im Sommer 2016 das Halving (das geradezu unvermeidbar zu steigenden Preisen führt), Bitcoin wird immer mehr benutzt, um zu bezahlen, etwa von Freelancern in Afrika, Südamerika und Osteuropa, und die guten alten Fiat-Währungen dieser Welt werden eher schlechter als besser.

Bitcoin ist knapp. Mit fast 2.000 Euro ist Bitcoin zwar deutlich mehr wert, als es eine Unze Gold jemals war (Allzeithoch 1.824 Dollar) – aber eine Unze sind nur 31,10 Gramm, oder 0,0311 Kilogramm, und angeblich gibt es auf der Welt mehr als 160.000 Tonnen Gold, also mehr als 5 Milliarden Unzen, während es nur 21 Millionen Bitcoin gibt. Wenn die etwa 10 Millionen Millionäre dieser Welt alle Bitcoins haben wollen, gibt es nur zwei für jeden.

Und bei Ethereum? Was ist hier los? Ethereum scheint für viele große Unternehmen immer mehr als Business-Blockchain in Frage zu kommen. Es gibt einfach so viele Dinge, die man mit Smart Contracts machen kann, und die große Frage, wie Ethereum diesen Wahnsinn skalieren will, könnte sich mit der zunehmenden Beteiligung großer Firmen damit klären, dass Ethereum-Nodes riesengroß werden und auf Serverfarmen liegen. Auch hier hat die Consensus2017 mit der Bekanntgabe von mehr als 80 neuen Mitgliedern der Ethereum Enterprise Alliance ihren Teil beigetragen. Auch hierzu später (vielleicht) mehr.

Blase? Keine Blase? Oder doch?

Auf eine gewisse Weise ist es nicht abzustreiten, dass Kryptowährungen in einer Art Blase sind. Angesichts von 3- oder gar 4-stelligen Kursgewinnen (in Prozent) wäre es absurd, etwas anderes zu behaupten. Und diese Art der Blase erstreckt sich nicht nur auf Bitcoin und Ethereum, sondern auch auf so gut wie jeden anderen Coin: Litecoin, Dash, NEM, Ripple, Monero und viele weitere. Es gibt mittlerweile 30 Coins mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 100 Millionen Dollar!

Ganz normaler Tag in Krypto-Land: Kursgewinne von 6 Prozent, 40 Prozent oder 55 Prozent sind kein Grund, auszuflippen. Quelle: Coinmarketcap

Allerdings sagt dies noch nichts darüber aus, wie weit fortgeschritten die Blase ist. Hat sie erst begonnen – oder erreicht sie bereits ihren Zenit? Wird die Altcoin-Blase platzen und sich in Bitcoin entleeren? Oder formt sich ein Ökosystem heraus, in welchem Bitcoin zwar als digitales Gold weiterhin die Recheneinheit der Kryptomärkte bleibt – aber sich andere Coins darum herum als Zahlungsmittel oder Benzin für Smart Contracts etablieren? Fließt die Umverteilung von Kapital, die von Fiatgeld in Kryptogeld geht, sowohl auf Bitcoin als auch auf andere Coins? Wenn ja, welche werden das sein?

Und falls die Blase der Altcoins in Bitcoins, und auch die von Bitcoin in Fiat platzen sollte – bei welchem Preis wird sie das tun? Und wird auf sie, wie auf die anderen Blasen vor ihr, noch eine viel gewaltigere Blase folgen?

Das sind so viele Fragen, die ich in keinster Weise beantworten kann. Aber wir werden sehen, wie es weitergeht, und es wird aufregend. Das zumindest steht fest.

Filed under: Deutsch Tagged: Bitcoin, Ethereum, Kursverlauf

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